„Du kannst doch nicht einfach aufhören zu kaufen, oder?“ Diese Frage stellte mir mein Freund, als ich ihm erzählte, dass ich eine Woche lang nichts kaufen würde. Und ehrlich gesagt, zu diesem Zeitpunkt wusste ich auch noch nicht, ob es wirklich klappen würde. Aber ich war fest entschlossen, mich dieser Herausforderung zu stellen und einen Selbstversuch zu starten. Eine Woche lang wollte ich nichts kaufen – gar nichts. Keine Snacks, keine Kleidung, keine neuen Gadgets, keine Online-Bestellungen. Einfach nichts. Eine Woche purer Konsumverzicht. Doch was würde das mit mir und meinem Verhalten machen?
Der Auslöser: Eine plötzliche Erkenntnis
Es war ein ganz gewöhnlicher Tag, als mir plötzlich bewusst wurde, wie oft ich unbewusst etwas kaufte. Es war nicht, dass ich das Gefühl hatte, ständig arm zu sein oder in einer finanziellen Krise zu stecken. Aber trotzdem habe ich immer wieder kleine Ausgaben gemacht, die ich oft gar nicht wirklich brauchte. Ein Kaffee hier, ein Snack da, ein T-Shirt, das mir irgendwie „noch fehlte“ – es schlich sich in meinen Alltag ein. Doch dann dachte ich mir: Was wäre, wenn ich all diese kleinen Ausgaben für eine Woche einfach aussetze? Was würde passieren, wenn ich die Kontrolle über meinen Konsum zurückgewinne und bewusst darauf verzichte?
Ich stellte mir vor, dass es gar nicht so schwer sein sollte. Schließlich gibt es ja genug Dinge in meinem Leben, die ich bereits besitze. Trotzdem war ich gespannt, wie es sich anfühlen würde, sieben Tage lang bewusst nichts zu kaufen. Denn wie oft greift man eigentlich zum Portemonnaie, ohne wirklich darüber nachzudenken? Ich wollte herausfinden, ob ich wirklich ohne diese ständigen kleinen Käufe auskommen konnte.
Die ersten Schritte: Auf die Vorbereitung kommt es an
Der erste Schritt bestand darin, sicherzustellen, dass ich überhaupt nicht in Versuchung kommen würde. Ich nahm mir vor, mein Smartphone zu Hause zu lassen, um nicht in Versuchung zu geraten, während des Arbeitstags schnell online zu bestellen. Und auch die Apps, die mir normalerweise die neuesten Angebote zeigten, wurden deinstalliert. Ich wollte sicherstellen, dass ich nicht nur in den Momenten des Bewusstseins aufhörte zu kaufen, sondern auch die unbewussten Kaufimpulse ausschaltete.
Ich erklärte meinen Freunden und Kollegen, was ich vorhatte. Einige lachten, andere hielten es für eine seltsame Idee, und wieder andere sahen es als eine Herausforderung an, die es zu bewältigen galt. Aber die meiste Zeit fühlte ich mich selbst wie ein bisschen verrückt. Was, wenn es zu schwer werden würde? Was, wenn ich plötzlich einen dringenden Bedarf an etwas hatte?
Doch dann dachte ich daran, dass es nur sieben Tage waren – es sollte also machbar sein. Ich wusste, dass es eine Chance war, meine Gewohnheiten zu hinterfragen und mir wirklich klar zu machen, was ich wirklich brauchte und was nur ein Produkt der Werbung oder meiner spontanen Launen war.
Der erste Tag: „Was soll ich jetzt tun?“
Der erste Tag war ein bisschen verwirrend. Der Morgen begann wie gewohnt. Als ich zur Arbeit fuhr, dachte ich mir plötzlich: „Oh, ich könnte mir unterwegs einen Kaffee kaufen.“ Aber dann erinnerte ich mich an meinen Plan. Kein Kaffee. Also entschied ich mich, stattdessen eine Flasche Wasser aus meiner Tasche zu nehmen und auf meinen Morgenkaffee zu verzichten. Es war merkwürdig. Der Drang war sofort da, mir etwas zu kaufen – aber ich entschied mich dagegen.
Später am Tag spürte ich einen ähnlichen Impuls. Ich wollte mittags etwas essen gehen, aber dann erinnerte ich mich an mein Ziel. „Warum eigentlich essen gehen? Ich habe doch zu Hause genug zu essen.“ Also aß ich mein mitgebrachtes Essen und fühlte mich gut dabei. Der erste Tag war der schwerste, doch ich hielt durch. Es fühlte sich nicht unbedingt angenehm an, aber ich war stolz, dass ich den ersten Tag überstanden hatte.
Der zweite Tag: Ein besseres Gefühl
Am zweiten Tag bemerkte ich eine Veränderung. Es fühlte sich nicht mehr ganz so schwer an, auf Käufe zu verzichten. Ich war immer noch ein wenig in Versuchung, besonders als ich durch die Stadt ging und die neuesten Angebote in den Schaufenstern sah. Aber die Neugierde ließ langsam nach. Statt mich von den Schaufenstern ablenken zu lassen, merkte ich, wie ich mich mehr auf die Umgebung konzentrierte. Ich spürte den Wind, hörte die Vögel zwitschern und nahm die Welt ein wenig langsamer wahr. Ich hatte weniger Ablenkung durch Werbung und den Drang, etwas zu kaufen.
Es war erstaunlich, wie viel mehr ich mich auf meine Gedanken und Gespräche konzentrieren konnte, wenn ich nicht ständig überlegte, was ich mir als Nächstes gönnen könnte. Die ersten zwei Tage fühlten sich tatsächlich wie eine kleine Befreiung an. Die Spannung, ständig zwischen „brauchen“ und „wollen“ zu schwanken, verschwand. Ich wusste, dass es noch fünf Tage waren, aber ich fühlte mich schon jetzt sicherer und stärker.
Die Mitte der Woche: Ein neues Bewusstsein
Ab dem dritten Tag begann ich, mein Verhalten wirklich zu hinterfragen. Warum hatte ich eigentlich so oft Dinge gekauft, die ich im Nachhinein gar nicht brauchte? Es war eine Mischung aus Gewohnheit, Impuls und Bequemlichkeit. Ich wollte schnell etwas haben, um meine Laune zu heben oder um etwas zu „belohnen“. Diese Erkenntnis machte mir deutlich, dass ich oft den Konsum als eine Art Ersatzhandlung genutzt hatte. Es ging nicht immer um den Gegenstand selbst, sondern um das Gefühl des Erwerbens und den Moment der Befriedigung, der damit einherging.
Ich bemerkte, dass ich in der Mitte der Woche kaum noch das Bedürfnis verspürte, irgendetwas zu kaufen. Der Drang war nicht verschwunden, aber ich hatte gelernt, besser damit umzugehen. Anstatt mich von äußeren Reizen treiben zu lassen, hatte ich meine eigenen Wünsche und Bedürfnisse klarer erkannt. Ich begann, mein Konsumverhalten zu überdenken und zu schätzen, was ich bereits besaß.
Ich stellte fest, dass ich viele Dinge in meinem Alltag hatte, die ich aus Gewohnheit und nicht aus wirklichem Bedarf kaufte. In diesem Moment wusste ich, dass diese Woche mir nicht nur half, Geld zu sparen, sondern auch meine Beziehung zu Besitz und Konsum in ein neues Licht rückte.
Der fünfte und sechste Tag: Weniger Ablenkung, mehr Fokus
In den letzten Tagen merkte ich eine weitere Veränderung: Ich war weniger abgelenkt. Früher hatte ich vielleicht zehn Minuten damit verbracht, ein Produkt zu suchen oder durch Online-Shops zu stöbern. Doch jetzt hatte ich diese Zeit für andere Dinge genutzt: Ich las mehr, unterhielt mich mehr mit Freunden und hatte auch produktivere Gespräche bei der Arbeit. Anstatt ständig über neue Gadgets oder Angebote nachzudenken, konnte ich mich auf das konzentrieren, was wirklich wichtig war.
Ich bemerkte auch, dass ich mich wieder mehr mit mir selbst beschäftigte. Was wollte ich wirklich in meinem Leben? Welche Ziele hatte ich? Ich war weniger mit der Jagd nach neuen Dingen beschäftigt und mehr damit, nach innen zu blicken. Der Konsumstopp hatte mir gezeigt, dass ich oft versuchte, mich durch das „Besitzen“ von Dingen zu definieren. Aber was, wenn ich diese Dinge losließ und stattdessen nach etwas Tieferem strebte?
Der siebte Tag: Ein unerwartetes Fazit
Am letzten Tag meines Experiments fühlte ich mich zufrieden und erfüllt. Ich hatte die sieben Tage geschafft und dabei nicht nur mein Konsumverhalten verändert, sondern auch eine wertvolle Lektion gelernt. Ich hatte erkannt, dass viele meiner Käufe aus Gewohnheit, Ablenkung oder einem Bedürfnis nach Bestätigung stammten. Ohne den Drang, ständig etwas Neues zu kaufen, konnte ich mich auf die Dinge konzentrieren, die mir wirklich wichtig waren. Ich hatte mehr Zeit für mich selbst, für die Dinge, die mir Freude bereiteten, und für die Menschen, die mir am meisten bedeuteten.
Der Selbstversuch hatte mir auch gezeigt, wie viel Kontrolle ich über meine eigenen Wünsche hatte. Wir sind nicht gezwungen, jeden Kauf zu tätigen – wir haben die Wahl. Ich fühlte mich nach dieser Woche weniger von Werbung oder Kaufimpulsen beeinflusst und wusste, dass ich in der Zukunft viel bewusster konsumieren würde.